Madonna und Judith Butlers “Das Unbehagen der Geschlechter”



(Magisterklausur von Tillmann Allmer im Fach Soziologie, Winter 2001)

Mit ihren konstanten Imagewechseln, ihren Parodien von Frauenikonen wie z.B. Marylin Monroe, ihrer Geltendmachung von weiblicher Stärke und Sexualität und ihren Aneignungen aus der Schwulen- und Lesbenkultur kann die Popikone Madonna als medial vermittelte Verkörperung der Argumente Judith Butlers in ihrem Buch “Das Unbehagen der Geschlechter” angesehen werden. In diesem postmodernen, feministischen Text kritisiert Butler eine Politik der weiblichen Emanzipation, die methodisch auf traditionellen Identitätsdefinitionen basiert. Indem Frauen als koherente Gruppe behandelt werden, werden, so Butler, die traditionellen (binären) Geschlechtsdefinitionen weiter gefestigt. Butler legt das soziale Machtgefüge bloss, dass die Normen “natürlicher” Geschlechtsdefinitionen von Männern und Frauen konstruiert. Durch eine solche vordiskurisive (auf natürlicher Determination basierende) Festlegung von Geschlechtsidentitäten, werden, so Butler, Frauen weiterhin untergeordnet und Homosexuelle, Transvestiten und andere Formen von Geschlechtsidentitäten, die sich ausserhalb der traditionellen Geschlechtsdefinitionen situieren, marginalisiert. Butler legt nahe, dass ein subversiver Umgang mit Geschlechtsidentitäten, die Konstruiertheit von Sexualität und Geschlecht aufzeigen könne und kontinuierlich daran arbeite, den normativen Status zu zerstören und dahingehend zu verändern, dass alle kulturellen Konfigurationen von Geschlechtsidentität gleichberechtig sind. Dadurch dass Madonna im Laufe ihrer Karriere auf unterschiedliche Art traditionelle weibliche Stereotype parodiert und selbst Identitäten annimmt, die eine reinen Definition von Madonna als heterosexuellen Frau scheinbar unmöglich machen, wird Butlers Vorstellung von der Möglichkeit für variable Konstruktionen von Geschlechtsidentität sichtbar.
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