Rainer Werner Fassbinder – Ein Repräsentant Deutschlands seiner Zeit?
Textauszug der Hausarbeit von Tillmann Allmer im Fach Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft

Im Ausland wurde Fassbinder seinerzeit sehr viel mehr geschätzt als in Deutschland. Nachdem er einige Bekanntheit im Ausland genoss und seine Filme zu kleinen Erfolgen wurden, sprach man auch langsam in Deutschland von Fassbinder als einen “Repräsentanten Deutschlands”. Diese Sicht hat sich besonders nach Fassbinders Tod 1982 verstärkt. Das Buch “Fassbinder´s Germany – Identity, History, Subject.” von Thomas Elsässer versucht u.a., der Frage nachzugehen, in welchem Maße Fassbinder als Repräsentant Deutschlands gelten kann. Thomas Elsässer brachte Fassbinders ersten Filme 1971 auf ein englisches Filmfestival in Brighton, wo er mit Kritikern der Film-Avantgarde seinen Enthusiasmus für Fassbinder teilen konnte. Nachdem Elsässer 1972 Fassbinders Essay über Douglas Sirk ins Englische übersetzte, schrieb er 1975 zwei Aufsätze in dem ersten englischen Buch über Fassbinder vom British Film Institute . Es folgten mehrere Essays von Elsässer über Fassbinder, bis zu dem vorliegenden Buch.
In dieser Arbeit werde ich einige Punkte aus Elsässers Buch zusammenführen, um der Frage nachzugehen, weshalb Fassbinder so verschieden in Deutschland und im Ausland wahrgenommen wurde. Zunächst werde ich gegenüberstellen, wie sich die Rezeption Fassbinders gestaltete. Ich war erstaunt, wie stark sich die deutsche und die amerikanische Kritik voneinander unterschieden, auch in Bezug auf rein filmanalytische Fragen. Es ist schwierig eine deutsche Filmkritik zu Fassbinder zu finden, die sich alleine mit den Filmen beschäftigt und sich nicht um die Person Fassbinder schert. Im Vergleich dazu konzentrieren sich die amerikanischen Rezensionen sehr viel mehr auf die Filmsprache Fassbinders und kommen so zu ganz anderen Bewertungen der Filme.
Im nächsten Teil der Arbeit untersuche ich sehr kurz, in welchem kulturellen Zusammenhang das Feuilleton zur Zeit Fassbinders stand. Ich werfe Fragen auf, die in Westdeutschland nach dem 2. Weltkrieg bezüglich nationaler Kultur, nationaler Identität und populärer Unterhaltung bestanden, um herauszufinden, inwieweit die Wahrnehmung Fassbinders von diesen Fragen abhängen könnte. Außerdem untersuche ich, was für eine Rolle Kino im Prozess der deutschen Identitätsfindung hatte.
Im letzten Teil der Arbeit, konzentriere ich mich auf Interpretationen, die überlegen, ob Fassbinder Deutschland repräsentiere. Es wird überlegt, in wie weit der Begriff “Repräsentation” auf Fassbinders Arbeit überhaupt zutrifft, ob ein Vergleich Fassbinders mit Balzac aufrecht gehalten werden kann, ob Fassbinder mit Formen der Genredeutung interpretierbar ist, und was für stilistische und inhaltliche Themen eine Rolle in den Filmen spielen könnten.
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